„Mama? Papa? Hörst du mich?“ – Wie kleine Momente der Aufmerksamkeit große Nähe schaffen
- Vampirndl

- vor 7 Tagen
- 3 Min. Lesezeit

Wenn ich unterwegs bin, erlebe ich oft, dass Kinder versuchen, die Aufmerksamkeit ihrer erwachsenen Begleitpersonen zu erhalten. Sie versuchen, etwas zu erzählen, sie rufen nach Mama oder Papa, sie weinen oder zeigen anderes Verhalten, damit jemand hinschaut. Und ich bin immer wieder schockiert, wie wenig Erwachsene mit ihren Kindern interagieren, wenn sie unterwegs sind. Die Erwachsenen unterhalten sich untereinander, telefonieren oder beschäftigen sich mit ihrem Smartphone.
Warum Aufmerksamkeit heute so schwer fällt
Wir leben in einer Zeit, in der unsere Aufmerksamkeit ständig in Stücke gerissen wird. Smartphones, Termine, berufliche Verpflichtungen, mentale Überlastung – all das sorgt dafür, dass wir zwar anwesend, aber selten wirklich da sind.
Und mittendrin stehen Kinder, die mit feinen Antennen spüren, ob wir sie sehen.
Hier beginnt das eigentliche Problem:
Kinder brauchen nicht viel – aber sie brauchen uns. Unseren Blick, unsere Stimme, ein kurzes Innehalten.
Wenn Kinder rufen – und wir nicht antworten
Vielleicht habt ihr das Bild auch schon selbst beobachtet: Ein Kind steht neben seiner Mutter, ruft „Mama, Mama!“, zeigt etwas, will etwas sagen – und die Mutter scrollt. Keine Reaktion. Kein Kopfheben. Keine Wahrnehmung.
Das klingt hart, aber es ist Alltag. Und meistens steckt hinter diesem „Nicht-Reagieren“ keine Gleichgültigkeit, sondern schlichte Überforderung.
Trotzdem hinterlässt es etwas im Kind:
Das Gefühl, nicht wichtig genug zu sein, um wahrgenommen zu werden.
Dabei bräuchte es nicht einmal den großen Moment. Oft reicht ein Satz wie:
„Ich sehe dich. Gib mir eine Minute, ich bin gleich bei dir.“
Warum Mikro-Momente so viel bewirken
Verbindung entsteht nicht in großen Erklärungen oder Stunden voller pädagogischer Perfektion. Sie entsteht in winzigen Augenblicken:
einem warmen Blick
einem kurzen Zuhören
einem ruhigen Atemzug, bevor wir antworten
einer kleinen Berührung
einem ehrlichen: „Ich bin da.“
Diese Mini-Momente helfen nicht nur dem Kind. Sie sind auch für uns Erwachsene kleine Anker im hektischen Alltag – eine Art Rückkehr zu uns selbst.
Ich glaube vielen Erwachsenen, vielen Eltern, ist nicht klar, wie wertvoll es ist, sich mit seinem Kind zu unterhalten. In vielen Familien müssen Kinder funktionieren, es findet nicht genügend Interaktion statt, keine Diskussionen, keine Erklärungen, kein Versuch, die kindliche Perspektive zu sehen.
Wenn Nähe nachts kommt: Ein persönliches Beispiel
Ein Phänomen, das viele kennen:
Kinder kommen abends, oft genau dann, wenn wir schon völlig erschöpft im Bett liegen.
Fragen, Gedanken, Geschichten – plötzlich sprudelt alles heraus.
Vielleicht fragt ihr euch auch "warum gerade jetzt?" Gleichzeitig ist es schön, wenn abends noch ein Austausch mit euren Kids stattfindet. Wenn ihr merkt, dass ihr gebraucht werdet.
Abends, wenn die Welt leiser wird und die Hektik des Tages endet, trauen sich Kinder oft mehr. Sie spüren: Jetzt kann ich reden, jetzt hört man mich. Selbst wenn wir müde sind – das ist Verbindung.
Warum wir manchmal „abschalten“ – und wie wir leicht gegensteuern
Eltern ignorieren ihre Kinder nicht, weil sie sie nicht lieben.
Sie ignorieren sie, weil:
sie überreizt sind
sie ständig funktionieren müssen
sie keine Pause haben
sie emotional erschöpft sind, oder
weil sie es einfach nicht gewöhnt sind, mit ihren Kindern auf Augenhöhe zu sprechen, zu diskutieren und zu lachen.
Und doch kann man mit kleinen Anpassungen viel verändern:
bewusst einen Moment innehalten und sich Zeit nehmen
sich einlassen auf sein Kind und was das Kind gerade beschäftigt
das Smartphone weglegen und mit dem Kind die Welt entdecken
Ein sanfter Impuls für den Alltag
Vielleicht nehmt ihr euch bewusst vor, auf dem Weg in die Schule, in den Kindergarten, das Smartphone wegzulegen und mit eurem Kind die Welt wahrzunehmen, ein Spiel zu spielen (wer sieht die meisten gelben Autos, ich sehe was, was du nicht siehst, etc.). Vielleicht setzt ihr eure Kinder nicht alleine vor den Fernseher, sondern setzt euch dazu und sprecht mit den Kids über die Sendung. Vielleicht involviert ihr eure Kinder in die Hausarbeit oder kocht mit ihnen gemeinsam.
Mehr braucht es oft nicht, um ein Kind zu stärken und es auf das Leben und seine Herausforderungen mit Liebe vorzubereiten. Und wer weiß? Vielleicht seid ihr überrascht darüber, wieviel smarter und unterhaltsamer eure Kinder sind als euer Smartphone ;-)!





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