Home-Office und Home-Schooling – Traum oder Albtraum?

Aktualisiert: Juli 28


Am vierten Wochenende nach Schließung der Schule ist der Charme des Home-Office und des Home-Schooling eventuell bereits etwas verblasst...




Viele von uns – gerade die Frauen – haben nun nicht nur die Aufgabe, zu Hause ihre tägliche Arbeit im Home-Office zu erledigen, sondern müssen auch die Aufgabe der Lehrer übernehmen und ihre Kinder zu Hause unterrichten.


Wenn sie Glück haben, werden sie dabei von ihren Partnern unterstützt, wenn sie nicht so viel Glück haben oder gar alleinerziehend sind, wird diese Zeit zur nervlichen Belastungsprobe.


Zu diesen beiden wichtigen Aufgaben kommen die Aufgaben im Haushalt, die auch noch so nebenbei erledigt werden müssen. Das kann eine ganz schöne Herausforderung sein. Umso wichtiger ist es, ein gutes System zu haben, um all diese Aufgaben bewältigen zu können und gleichzeitig noch genügend Zeit für sich selbst oder für das Leben als Paar zu haben.


Einbinden der Kinder in tägliche Hausarbeit


Gerade mit kleineren Kindern kann diese Zeit sehr fordernd sein. Doch gerade mit diesen kann man den Unterricht bzw den Kindergartentag auch durch praktische Arbeiten im Haushalt ergänzen. Für die Kleinen ist ja das ganze Leben eine Schule – jede für uns selbstverständliche Aufgabe ist für kleinere Kinder spannend und neu. Ihr könnt daher eure Kinder auch in die alltäglichen Arbeiten einbeziehen, sie können kleinere Arbeiten in der Küche erledigen und dabei neue Fähigkeiten erwerben und zB die Feinmotorik trainieren. Außerdem entwickeln sie ein Bewusstsein für den Umgang mit Gegenständen wie Messer oder Schere. Passt dabei aber gut auf eure Kinder auf, damit sie sich nicht verletzen!


Ein weiterer positiver Nebeneffekt kann sein, dass Kinder, die besonders heikel beim Essen sind, durch das Mitmachen bei der Zubereitung der Speisen auch neue Speisen kosten, die sie vorher vielleicht abgelehnt hätten.


Genauso könnt ihr beim Haushalt vorgehen und euren Kindern dem Alter entsprechend Aufgaben auftragen, sowohl den Mädchen als auch den Burschen! Kleine Kinder können lernen, ihre Spielsachen wegzuräumen, euch die Schaufel beim Aufkehren zu halten oder Ähnliches. Größere Kinder können schon anspruchsvollere Aufgaben übernehmen. Auch das hilft dabei, die Kinder zu beschäftigen und euch bei den Aufgaben zu entlasten. Und die späteren Freundinnen oder Frauen eurer Söhne werden euch für diese wertvolle Vorarbeit ewig dankbar sein😎.


Ich habe euch hier ein paar Ideen zusammengestellt für Aufgaben, die Kinder ihrem Alter entsprechend bereits übernehmen können.


Struktur in den Alltag bringen


Man liest auch häufig, wie wichtig es ist, den Tag zu strukturieren. Ich kann das aus eigener Erfahrung bestätigen. Bedenkt dabei - die Tagesstruktur bleibt euch überlassen! Ihr müsst nicht zwingend dieselbe Struktur durchziehen, die ihr im normalen Kindergarten- oder Schulalltag lebt. Die aktuelle Situation ist ungewöhnlich, daher könnt ihr auch eure (neue) Tagesstruktur anpassen. Wichtig ist nur, dass ihr eine Struktur habt, die ihr dann auch einhaltet.


Meine Tochter tut sich recht schwer mit dem Aufstehen zeitig in der Früh. Daher halte ich das mit dem Aufstehen derzeit etwas lockerer und wecke sie erst später auf. Dadurch kann ich in der Früh gemütlich frühstücken, erstmal meinen Kaffee in Ruhe genießen und schon etwas Arbeit im Home-Office erledigen. Wenn es eure Arbeit und euer Arbeitgeber zulassen, könnt ihr eine längere Mittagspause einlegen, um mit euren Kindern zu kochen und gemeinsam zu Mittag zu essen oder mit euren Kindern die weiteren Aufgaben besprechen.


Nehmt Angebote in Anspruch


Ihr kennt das sicher - wenn man sich erstmal mit einem Thema beschäftigt, begegnet es einem ständig und man wundert sich, warum es einem nicht früher aufgefallen ist.... Je nachdem, wie alt eure Kinder sind, gibt es ganz tolle kostenlose Angebote, um eure Kinder in der jetzigen Zeit zu beschäftigen. In Österreich bringt der ORF auf dem Sender ORF 1 jeden Vormittag ein abwechslungsreiches Programm von ca. 6 Uhr bis ca. 12:30 Uhr für Kinder, wobei der erste Teil sich an Vorschul- und Volksschulkinder richtet und der zweite Teil an etwas ältere Kinder. Hier gibt es Singspiele, Kinderkochen, wissenschaftliche Sendungen und Kindernachrichten. Da ist sicher etwas für eure Kids dabei.


Empfehlenswert ist auch die Khan Academy. Hier findet ihr ganz tolle Lernressourcen von der Vorschule bis zur 8. Klasse. Außerdem gibt es tägliche Stundenpläne zum Herunterladen, die euch bei eurer Organisation unterstützen können.


Wir haben das Glück, dass es zu (fast) jedem Thema mittlerweile ein YouTube Tutorial gibt. Vielleicht habt ihr ja auch das Video der israelischen Mutter gesehen, in dem sie sich über die Last beschwert, die den Kindern im Distance Learning von den Lehrern auferlegt wird und darüber, wie schwierig es zum Teil ist, den Kindern den Stoff in Fächern wie Mathematik zu erklären. Nach dem Motto: "wenn uns Corona nicht umbringt, dann bringt uns das Home-Schooling um".


Ich kann gut nachvollziehen, was sie sagt und fühle mich gleichzeitig privilegiert, weil ich nur ein Kind zu betreuen habe... Ich war in Mathe leider auch kein Genie und der Stoff der zweiten Klasse Unterstufe ist für mich schon ziemlich lange her. Daher stoße ich manchmal an meine Grenzen, wenn ich Bruchrechnen oder Winkelsummen erklären soll. Wir tippen unsere Frage dann meist in YouTube ein und freuen uns, dass irgendein netter Mensch sich die Mühe gemacht hat, ein Tutorial online zu stellen.


Falls eure Kinder gerade ein bestimmtes Thema in der Schule durchnehmen, zB das Römische Reich wie es gerade bei uns der Fall ist, könnt ihr das Thema in euren Tagesablauf einbauen. Esst mal wie die Römer zu Mittag und "liegt zu Tisch", verwandelt euer Badezimmer in ein römisches Dampfbad, lest gemeinsam ein Buch (zB Caius der Lausbub aus dem alten Rom) seht euch Filme an, die sich mit Rom beschäftigen - je nach FSK Freigabe natürlich - für jüngere Kinder kann es ja auch ein Asterix Film sein! Nutzt auch die zusätzlichen Angebote, welche die Lehrer auf der jeweiligen Lernplattform für eure Kinder bereitgestellt haben.


Habt Geduld und Verständnis


Für uns alle ist die Situation neu. Es gibt nur wenige Eltern, die bereits vor der Corona Krise ihre Kinder zu Hause unterrichtet haben und nur wenige Kinder, die so selbstständig sind, dass sie es von jetzt auf gleich schaffen, alle Arbeitsaufträge allein und ohne Unterstützung zu bewältigen.


Vergesst nicht - auch für die Lehrer ist die Situation neu. Das System muss sich erst einspielen und wir können nicht erwarten, dass alles wie am Schnürchen läuft und sofort perfekt funktioniert. Ich gehe davon aus, dass die meisten Lehrer ihren Schülern wohlgesonnen sind und nur das Beste für ihre Schüler wollen. Wenn ihr also das Gefühl habt, die Arbeitsaufträge sind zu umfangreich, gebt den Lehrern eurer Kinder konstruktives Feedback. Bestimmt freuen sie sich darüber, von euch eine Rückmeldung zu bekommen, damit sie ihr Angebot anpassen können. Anstelle zu Hause zu verzweifeln und passiv aggressive Emails zu verschicken, atmet tief durch und formuliert Ich-Botschaften und konkrete Punkte, die euch am Herzen liegen. So kommt ihr bestimmt auf einen gemeinsamen Nenner.


Denkt daran - nach der Corona - Krise und spätestens nächstes Schuljahr muss euer Kind wieder persönlich mit dem Lehrer klar kommen. Ihr wollt doch nicht, dass euer Kind als das Kind der "Krisen-Bitch" im Gedächtnis bleibt, oder?

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